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Ayurvedic – WHAT?!

Es ist mal wieder diese Zeit des Jahres….

Der Ayurveda hat eine wunderbare Sichtweise auf das Jahr und die Prägungen durch die Doshas. Ich weiß auch nicht so genau warum, aber diese Lehre räsoniert mit mir besser als z.B. die TCM (die chinesische Lehre), welche sich wohl auch ähnelt, bei mir aber nie so gezündet hat.

Also – wo stehen wir gerade? Mitten im Kapha! Aber sowas von!

Kapha – bestehend aus den Elementen Wasser und Erde – besticht durch die Eigenschaften der Kompaktheit, Schwere, Stabilität.

Per se wunderbare Qualitäten, denn ohne Stabilität kämen wir schnell aus unserem Gleichgewicht und ohne Kompaktheit wäre unser Körper eine wabbelige Masse.  Gleichwohl sorgt diese Jahreszeit des Frühlings dafür, dass wir aus der Winterstarre herauskommen, uns über die ersten warmen Sonnenstrahlen freuen und die Natur in ihrer ganzen Farbenpracht aufwacht. Alles fühlt sich nach Neubeginn und Leichtigkeit an. Doch auch das ist Schwerstarbeit und da wundert es uns nicht, dass wir von der bekannten Frühjahrsmüdigkeit übermannt werden.

Doch dagegen ist ein Kraut gewachsen, bzw. ein Ritual im Ayurveda. Der “Ayurvedic Spring Cleanse”!

Neumodisch auch als “Detox” bekannt. Im Ayurveda allerdings eine Zäsur in unseren Alltag, die uns auf die kommende Jahreszeit innerlich und vielleicht auch äußerlich vorbereitet.

Meine sehr geschätzte Ausbilderin zum Ayurveda Lifestyle Coach – die liebe Dr. Janna Scharfenberg – hat in diesem Jahr vom 14.- 21. März eine virtuelle Cleansing-Week auf die Beine gestellt. Von ihr kommt auch die Bezeichnung “Ayurvedic Spring Cleanse”

Über die Zeit, wie ich den Cleanse durchgeführt und erlebt habe, bzw. was für mich als Erkenntnis für mich und mein Tun am Ende auf dem Zettel stand – all das möchte ich an dieser Stelle mit Dir teilen. Und da es ja das “Lied von Reis und Linsen” ist, folgt jetzt:

 

Das Intro - die Vorbereitung

Womit ging´s los? Natürlich mit der ENTSCHEIDUNG, einen Cleanse durchzuführen. Der erste Schreck-Gedanke war natürlich: Mist. Keinen Kaffee……. für mindestens eine Woche…. 

Nach der Entscheidung folgte die Anmeldung bei Janna und das Warten auf die Infos.

Ich will hier nicht alle Details aufzählen, aber einen groben Überblick geben: 

Wir bekamen ein wunderschön gestaltetes Workbook, wurden begleitet durch Q+A´s, es gab jeden Tag live Yoga, Meditation und Pranayama durch verschiedene Yogalehrerinnen und -wer mochte – konnte sich auch in einer Facebookgruppe austauschen.                            Was uns erst während der Cleanse-Woche mitgeteilt wurde: wir hatten über die gebuchte Woche hinaus die Möglichkeit, die Aufzeichnungen aller Klassen nochmal anzuschauen und bekamen ebenfalls den Support, falls im Verlauf weitere Fragen auftauchen. 

Im Prinzip hatte ich eine Woche bestellt , bekam aber zwei geliefert 😉

 

1. Strophe - Entlastungstage

Bevor man in die Reinigungswoche startet, wird entlastet. Kein Zucker, kein Kaffee 😳 und viiiiiieeeel Gemüse. Ok. Kein Problem. Hatte ich doch Lupinenkaffee besorgt. Ist aber nicht ganz so lecker.

Den letzten Schluck genoss ich am Donnerstag. Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte: Müdigkeit. Und zwar extrem.

Ich muß dazu sagen, dass sich so ungefähr eine Woche vorab bei mir ein Grundgefühl des “zuviel” eingestellt hat. Ein nicht ganz unbekanntes, das mir schon einmal gezeigt hat, dass die momentane Situation auch bei mir ihren Tribut zollt und auch wenn ich vielleicht mehr zuhause bin dies nicht bedeutet, weniger “am Kopf” zu haben (Mental Load anyone??!!)

Vermutlich war es eine Kombi aus mehreren Dingen, die mich spätestens am Samstag in die Knie bzw. auf die Couch gezwungen haben. Ich musste eine Grundsatzentscheidung treffen, einen geplanten Workshop abgesagt und meinen Kalender für die kommende Woche bis auf wirklich Wichtiges reduziert.

Und tat etwas völlig Untypisches für mich: ich verschwand virtuell in der Versenkung.

Nix Instagram, Facebook höchstens für kurze Check-Ins in der Cleanse-Gruppe. Messenger auf “stumm” gestellt.

Ich hatte einfach.keine.Lust.mehr.

An diesem Wochenende hätte wohl auch ein Kaffee nichts geholfen. Mein Stapel Bücher lachte mich an, mein Tagebuch freute sich, gefüllt zu werden (es waren nach der ganzen Woche 3 Seiten….). Und was hab ich getan?! Netflix. 

 

2. Strophe - Start in die Reinigungswoche

Gut für meinen Kopf war: ich habe im Vorfeld nach der Einkaufsliste im Workbook alles besorgt und anhand der Infos zum Ablauf konnte ich mich prima auf die nächsten Tage einstellen.

Es gab eh nur Reis und Linsen. Oder wie in Ayurveda-Kreisen auch gesagt wird: Kitchari anyone?!

Von Montag bis Donnerstag morgens Porridge, mittags Kitchari, abends Kitchari. Zwischendurch viel Wasser und Tee. Da ich ein Mono-Esser bin (errate meine Dosha-Konstitution 😉 ) war das super! Gemüse vorgeschnippelt, alles in den Thermomix und 2 Mahlzeiten fertig. Tatsächlich war der Kaffee-Jieper am Anfang der Woche dann auch überraschend weg. Wenn mein Mann allerdings mit einer frisch gebrühten Tasse an mir vorbei lief…..seufz….

Wenn man sich so recht wenig Gedanken über das eigene Essen machen muss, bekommt man recht viel Raum geschenkt für das, was vielleicht sonst eher im Hintergrund bleibt.

Eine sehr starke Erfahrung war, dass ich mich zwar wohlgenährt, aber absolut nicht in meiner üblichen Kraft wiederfand. Das angebotene Yogaprogramm war reizvoll und ich habe euch das ein oder andere Mal reingeschaut. Da ich aber durch meine Ashtanga-Praxis sehr gewöhnt bin, meine Haltungen individuell an mein Energielevel anzupassen, bin ich schlussendlich zu meiner gewohnten Praxis zurückgekehrt und habe diese extrem runtergefahren. Statt Bewegung war dann plötzlich Atmen und Meditieren viel wertvoller.

In der Mitte des Cleanse fand ich dann auch die Energie, meine Bücher in die Hand zu nehmen. Netflix hatte Pause.

Die Idee, den Verlauf des Cleanse schriftlich festzuhalten, habe ich dann doch nicht umgesetzt, sondern sehr die Konversationen mit einer Freundin geschätzt, mit der ich mich 2x in der Woche virtuell auf der Matte treffe. So konnte ich meine Gedanken mit Hilfe von direktem Feedback sortieren.

Denn immer noch hatte ich keine Lust auf den “Sendemodus”.

Mich beschäftig(t)en Gedanken wie:

  • was ist mir wichtig?
  • wohin lenke ich meine Energie?
  • was fällt mir leicht?

Besonders der Zustand des “nicht in meiner Kraft”- Seins hat mich spüren lassen, wie endlich Kraft sein kann und wie gut wir diese uns einteilen müssen.

 

3. Strophe - Aufbautage

Hurra! Reis und Linsen Adé !!! Habe ich gedacht. “Leider” habe ich die Angewohnheit, Speisen lieber auf zu essen, statt zu vernichten. Und da war noch eine Portion Kitchari im Kühlschrank… Hab sie dann mit mehr Ghee gepimpt und mit Tofuwürfeln garniert. 

In den offiziell letzten 3 Cleanse-Tagen blieb es bei Kaffee- und zuckerfrei. Naja, fast 😇

Sonntag morgen habe ich bewusst die Entscheidung getroffen, mir einen Milchkaffee zu gönnen. Mit Genuss. Doch auf eine Erfahrung war ich nicht vorbereitet: ich spürte quasi, wie mir das Koffein durch die Adern schoss. Eine fast surreale Erfahrung. Dabei überlegte ich, ob ich dieses Gefühl überhaupt dauerhaft verspüren möchte und mir ernsthaft Gedanken über meinen Kaffeekonsum gemacht (Spoiler: ich trinke ihn weiterhin, aber sehr bewusst und nur, wenn er mir schmeckt) 

Aufgebaut haben sich auch meine inneren Entlastungen. Der Druck der letzten Woche wurde weniger. Die Menge an vor mir liegenden Aufgaben nicht, aber die Sicht darauf hat sich geklärt.

 

Outro - mein Fazit

Der “Ayurvedic Spring Cleanse” bescherte mir eine Langzeitwirkung, mit der ich nicht gerechnet habe. Als erstes Fazit habe ich mir vorgenommen, dies jährlich fest einzuplanen. Mit dem kleinen Hintergedanken, eine wirkliche Entkopplungswoche ganz raus aus dem Alltag zu genießen, auch wenn der Cleanse durchaus alltagstauglich ist.  Ernährungs-technisch gesehen fällt es mir immer noch sehr leicht, auf Süßigkeiten zu verzichten. Meine Mahlzeiten finden regelmäßig statt (im Prinzip wie vorher), doch die Portionen sind noch überraschend kleiner und ich bekomme viel schneller das Satt-Signal von meinem Körper gemeldet.

Die Folgewoche nach dem Cleanse ist vorbei und noch immer bin ich eher analog als digital unterwegs. Sicherlich ist dies meine Art von Urlaub, so wie es derzeit möglich ist. Uns stehen zwei Umzüge ins Haus – der meines Sohnes in seine erste Wohnung und der vom Rest der Familie in ein neues Zuhause, was das Zusammenleben ebenfalls neu sortiert.

Mein Yoga-Unterricht findet weiterhin online statt und mein Beruf als Krankenschwester erfüllt mich ebenfalls, so dass ich ihn aktuell nicht missen möchte. Ist es doch eine wunderbare Gelegenheit, anderen eine Stütze zu sein und den physischen Kontakt zu anderen Menschen – den ich auch in meinem Yogaunterricht so schätze – als heilend zu empfinden und auch weiter zu geben.

Das beantwortet zumindest eine meiner Fragen – was ist mir wichtig?

Echter Kontakt zu anderen Menschen. Sei es mental über die Entfernung mit Hilfe der Technik oder – noch besser – live und in Farbe und mit viel Gefühl. Ich bin also nicht dafür gemacht, mein berufliches Leben rein digital zu führen. Das durfte ich im letzten Jahr ausprobieren und als Erkenntnisgewinn für mich mitnehmen: es geht weiter in meinem Tempo und für mein Wohlbefinden. 

Es findet derzeit ein unglaublicher Wandel statt. Jede*r hat seine/ihre eigene Herausforderungen und die meine war es (unter anderem), zu erkennen , die Ist-Situation zu akzeptieren und von dort aus zu wachsen, wenn ich mich wieder gut gedüngt habe. 

Durch den Cleanse habe ich die Erde gepflügt, Unkraut gejätet und neu gesät. Der Frühling wird es wachsen lassen.

Bis dahin ziehen wir um. Und dazu gehört auch Kaffee! ☕

P.S.: jedes Lied hat natürlich einen Refrain. Für das “Lied von Reis und Linsen” füge zwischen den Strophen einfach “Kitchaaaari, Kitchari, Kitchariiiii” nach der Melodie von “Ti amo” by Howard Carpendale ein 🎶 ❣

 

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